Das kleine runde Ding und ich – Pt. 1

Heute starten wir mal mit einem kleinen Rätsel: was kam 1960 auf den – zuerst amerikanischen – Markt? Okay, das ist wohl ein bisschen zu wenig Info. Also hier mehr: Es ist klein und lässt sich in fast 80 Prozent der Haushalte finden, in denen eine Frau zwischen 18 und 20 Jahre wohnt. Später sind es 55 Prozent aller erwachsenen Frauen, die dieses kleine Ding tagtäglich zu sich nehmen. Immer noch nicht? Das Medikament, das ich suche, ist Verhütungsmittel Nummer 1 in Deutschland.

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Genau. Ich spreche von der Pille. Die Antibabypille.

Vielleicht denkt ihr euch: Oh Gott, nicht schon wieder jemand, der mir erzählen will, wie schlecht die Pille ist. Vielleicht seid ihr genervt davon, dass dieses Thema im Moment überall zu sein scheint – mich begeistert es. Es zeigt, dass wir eine ganz neue Richtung einschlagen. Nämlich die Richtung, in der wir kritisch darüber nachdenken, was wir da eigentlich zu uns nehmen. Ganz egal, ob man zu dem Ergebnis kommt, die Pille zu nehmen oder nicht.

Gleich vorne weg: ich bin keine Ärztin. Mein Wissen stammt aus Recherche. Und das könnt auch ihr! Ich möchte euch trotzdem den Gang zum Frauenarzt ans Herz legen (und an dieser Stelle: bitte auch mehrere, falls ihr euch nicht gut aufgehoben fühlt!). Dort findet ihr bessere Beratung. Diese Beitragsreihe soll zum Nachdenken anregen und meine Sicht der Dinge wiederspiegeln. Mein Wissen habe ich gesammelt und teile es hiermit mit euch – aber, das möchte ich der Wichtigkeit halber einfach noch mal wiederholen, ich bin weder Ärztin noch Beraterin.

Damit ihr nicht zu viel zu lesen habt, berichte ich erst mal, wie ich zur Pille gekommen bin. Im nächsten Beitrag möchte ich mehr auf meine Erfahrungen und das Umdenken eingehen, im letzten Post dann auf die Alternativen.

Gehen wir mal ganz an den Anfang, also dahin wo die Sache mit mir und der Pille ihren Lauf nahm. Ich war vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, als ich sie verschrieben bekam. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keinen Freund – aber alle meine Freunde nahmen die Pille. Es war irgendwie cool – und es machte einen irgendwie so erwachsen. Außerdem macht sie doch auch bessere Haut und größere Brüste und schönere Haare – ein Traum jedes Teenagermädchens also. Ich muss zugeben, ich hatte schlechte Haut, die mir sehr zu schaffen gemacht hat. Bei weitem keine Akne, aber als 14-jähriges Mädchen empfand ich es als Weltuntergang, also hätte ich alles getan, um das zu bessern.

Meine Mama hat mir noch versucht ins Gewissen zu reden: Die Pille ist kein Wundermittel. Du solltest darüber nachdenken, was du dann schlucken wirst. Die Pille ist ein Medikament, ein Verhütungsmittel. Man sollte nicht einfach alles in sich reinschaufeln, nur weil es alle anderen auch machen. Die Pille hat unglaublich viele Nebenwirkungen. 
Das einzige was mein Teenager-Ich dachte war: Ach, Mama hat doch keine Ahnung. (Doch hatte sie). Über die Nebenwirkungen hat mein damaliger Arzt mich übrigens nicht informiert. Und dem Beipackzettel, der übrigens gefühlte Kilometer lang ist, hat mein 14-jähriges Ich keine Beachtung geschenkt. Ich ging sorglos damit um, war nachlässig meinem Körper gegenüber. Kein Wunder, bei einer 14-Jährigen. Mein 23-jähriges Ich schüttelt den Kopf. Dann begann also unsere Geschichte, die Pille und ich.

Gefühlt hat sich nichts verändert – und irgendwie doch alles. Ich fühlte mich erwachsen, ich gehörte dazu. So als sei das kleine Ding mein Eintrittsticket für die Erwachsenenwelt gewesen. Und da ich es nicht zu Verhütungszwecken nahm, war es genau das – ein Lifestyle-Produkt. Es gab keine medizinische Notwendigkeit, genauso keine Lebensumstände, die die Einnahme erforderten. Ich wollte die Pille, weil sie cool war. Sollte ein Medikament ein Lifestyle-Produkt sein? Heute sage ich ganz klar nein und weiß nicht wirklich, was damals in meinem Kopf passierte.

Irgendwann kam die erste Beziehung und damit war ich froh, mir zumindest über das Thema Verhütung keine Gedanken machen zu müssen. Und die Pille entfaltete noch ganz andere Kräfte: Meine Hat war wunderschön. Klar ein paar Pickel hier und da, aber kein Vergleich zu vorher. Ob das nun die Pubertät oder die Pille war, kann ich nicht sagen. Und ich entdeckte schnell noch einen anderen Vorteil: Immer auf den Tag genau zu wissen, wann man seine Periode bekommen würde, ist wunderbar! Und wenn man in den Urlaub fährt oder gerade keine Lust auf Unterleibsschmerzen hat, kann man auch einfach zwei Blister hintereinander nehmen – die Periode also verschieben oder ganz überspringen. Ich hatte diese Funktion meines Körpers also unter Kontrolle – und ich denke jeder von uns weiß, wie viel einfacher dies das Leben machen kann.

Die Jahre vergingen also. Insgesamt 9 Jahre um genau zu sein, in denen ich Abend für Abend die Pille aus dem Blister drückte. Ohne wirklich zu wissen, was ich da zu mir nahm, wie es in meinem Körper wirkte und was für Nebenwirkungen wirklich auftreten konnten. Und das schlimmste war, es interessierte mich auch nicht. Nicht wirklich zumindest. Ja, bei Stern TV gab es immer mal wieder den Pillen Report. Aber ich hatte nicht ein einziges mal wirklich den Beipackzettel gelesen (außer der Teil, in dem es darum geht, wie man sich bei einer vergessenen Einnahme verhalten soll, haha). Oder meine, mittlerweile andere, Frauenärztin befragt. Über dieses Desinteresse mir selbst und meinem Körper gegenüber bin ich heute sehr erschrocken.

Wenn ich mich nicht für meinen Körper und die möglichen Konsequenzen interessiere – wer soll es dann?

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