Allein, allein.

Ich weiß, dass ich dankbar sein sollte. Ich weiß, dass ich so vieles besitze: materielles und viel wichtiger, nicht materielles. Freunde, Liebe, Familie, Sicherheit. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Trotzdem gibt es Tage, an denen ich aufwache und alles ist grau. Ich mache die Augen auf. Es ist alles wie immer – und irgendwie auch nicht. Ich bin alleine im Raum – genau wie gestern auch – trotzdem fühlt es sich heute anders an. Ich bin nicht nur allein, ich bin allein. Gibt es da einen Unterschied?

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Ich hatte noch nie ein Problem alleine zu sein. Immerhin ist man ja nie wirklich allein. Dachte ich. Sagte ich. Vielleicht verbringt man Zeit mit sich selbst – aber ist man da wirklich allein? Während andere Stille im Raum nicht ertragen können, hatte ich noch nie ein Problem damit, für Stunden in meinem Zimmer zu sein und ein Buch zu lesen. Es gab Tage, da habe ich nichts anderes gemacht – und tatsächlich einfach mal ein Buch von vorne bis hinten durchgelesen. Ich brauche keine Musik – oft mag ich sogar nicht mal Musik zu hören. Einfach ich. Und die Stille. Und das Buch.

Während es anderen langweilig vorkam, einen Freitag Abend zu Hause zu verbringen, freute ich mich. Langeweile, was ist das schon? Ich kann doch endlich mal eine Stunde in der Badewanne liegen, das heiße Wasser wie eine Umarmung, so viel Schaum, dass eigentlich kein Platz für mich ist und so viel Kerzen im Bad, dass ich eigentlich die Lampe gar nicht mehr brauche. Für mich klingt das perfekt. Mehr als mich allein brauche ich dann nicht.

Manchmal ist die Welt zu laut. Dann kann ich mich nicht mehr denken hören. Es passiert so viel. Und ich komme nicht hinterher. Zeit mit mir selbst bringt mich dann wieder in die Spur. Da gibt es keinen Platz für Langeweile. Me-Time nennt man das heute – aber eigentlich ist es: Alleine Sein. So friedlich. So leise. Und so sehr ich selbst.

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Und dann gibt es eben noch die andere Art alleine zu sein. Freitag Abend alleine zu Hause klingt auf einmal nicht mehr verlockend. Was soll ich mit mir alleine anfangen? Die Stille ist auf einmal mehr erdrückend. Kein Platz für mich und meine Gedanken. Ich brauche Stimmen, Gespräche, Lachen, andere Menschen. Da hilft es nicht, den Fernseher an zu machen. Ich muss raus. 

Ich fühle mich alleine – einsam allein. Das ist die andere Seite der Medaille. Als wäre man plötzlich der einzige Mensch auf der Welt. So klein. Anders als alle anderen. Ich spreche eine andere Sprache – zumindest kann mich niemand verstehen. Niemand kann nachvollziehen. Es ist, als gehöre ich nirgendswo dazu. Alleine unter anderen eben. Dieses Art von Alleine Sein ist nicht schön. Manchmal tut sie weh. Und frustriert. Vor allem wenn man weiß, dass man nicht einsam ist. Sich aber trotzdem so fühlt. Dann schließe ich die Augen und hoffe. Dass die Welt wieder bunt ist, wenn ich aufwache.

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Die Bilder wurden Mitten im Nirgendwo aufgenommen – im Wahrsten Sinne des Wortes. Im Mittleren Westen der USA gibt es oft nichts – und dann doch auch das. Irgendwo auf einem Hügel Stand diese gläserne Kapelle. Gebaut über einem Bach, der durch dieses beeindruckende Gebäude hindurchfließt – an den Seiten des Mittelgangs bis hin zum Altar. Völlige Stille im im Raum. Nur das Plätschern des Baches war zu Hören.

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