Kleider machen Leute

Du bist, was du isst. Oder doch eher: du bist, was du trägst? Wenn ja, dann muss ich mich wohl ein bisschen schuldig bekennen. Denn im Rahmen unserer #10x10multiperspektiv Challenge möchte ich heute über Fast Fashion reden.

Vielleicht denkt ihr euch grade: ich kann dieses Thema nicht mehr sehen. Oder aber, ihr habt von dem Begriff noch nichts gehört. Beides ist okay. Und niemand erwartet, dass wir von einer Sekunde auf die andere zu Weltverbesserern werden. Aber ist es nicht schon ein Anfang, jeden Tag ein klein bisschen besser zu sein als gestern? Bei jedem Schritt den Fuß ein paar Zentimeter weiter nach Vorne zu schieben, bringt euch auch vorwärts.

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Für mich hat alles vor ein paar Wochen begonnen, als Netflix mir die Doku The True Cost vorgeschlagen hat. Kerzen an. Die Tasse Tee wärmt meine Hände. Gemütlichkeit. Und wenig später: in meinem Zimmer hat sich nichts verändert – aber die Gemütlichkeit ist weg. Vielleicht denken viele von euch jetzt, ich bin naiv. Dass ich alles, was in der Doku genannt wird, doch schon hätte wissen müssen. Und ja, das bin ich. Naiv. Und ja, ich wusste es. Irgendwie. Und irgendwie auch nicht.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir es doch alle. Vielleicht nicht wissen. Aber ahnen. Denn ein T-Shirt für 5,99 oder weniger – das T-Shirt wurde entworfen, die Materialien des Stoffes mussten gefertigt werden, der Stoff selbst wurde hergestellt, der Stoff wurde gefärbt, der Stoff wurde zusammengenäht und gearbeitet, zwischen diesen Arbeitsschritten wurden Ländergrenzen überquert und dann kommt es zu uns in den Laden. Und es kostet 5,99. Und der Verstand schaltet sich ein. 5,99. Davon sollen so viele Arbeitsschritte, Transportwege, Materialen und Menschen bezahlt werden. 5,99. Und der Verstand sagt: nein. Und unser vom Konsum geleitetes Ich sagt: Warum kostet das mies produzierte T-Shirt so viel?

Denn sind wir mal ehrlich: So ein Preis lässt sich nicht realisieren, ohne andere Menschen auszubeuten. Und ich verstehe, dass es nicht schön ist, sich darüber Gedanken zu machen. Es ist nicht schön, dass für die Klamotten, die ich grade trage, Menschen zu einem Lohn arbeiten, für den niemand von uns einen Finger krümmen würde. Den wir als beleidigend empfinden würden. Dass Menschen für meine Anziehsachen im Schrank Gesundheitsrisiken auf sich nehmen – nicht weil sie wollen. Weil sie müssen. Weil ich mir durch Werbung suggerieren lasse, dass ich für jede (der mittlerweile viel mehr als 4) Saisons der Modeindustrie, immer neue Klamotten brauche. Das was in ist ändert sich. Es gibt immer etwas neues. Immer schneller. Fast Fashion eben. Und ich denke: diese Sachen machen mich glücklich. Sie machen mich reicher. Dabei habe ich doch Geld ausgegeben. Und der Einzige, der reicher geworden ist, ist der, der mir diese T-Shirts verkauft.

Und jetzt werdet ihr denken: Ja, das weiß ich. Und ich denke: Ja, das wusste ich auch. Und trotzdem brauchte es die Dokumentation, um es mir vor Augen zu führen. Ich war naiv. Ich habe mir lange keine Gedanken gemacht. Bin ich ein schlechter Mensch? Nein. Denn jeden Tag, habe ich die Chance es besser zu machen. Von jetzt an. Das heißt nicht, dass ich alle meine Fast-Fashion Teile wegschmeißen muss. Das wäre das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Second-Hand macht es möglich, nachhaltig mit bereits gekauften Teilen um zu gehen.

Was können, nein sollten, wir machen? Ich kann nur für mich sprechen. Ich überdenke meinen Konsum. Ich will mehr mit dem auskommen, was ich habe. Ich will nicht mehr unbedacht kaufen. Ich will fair kaufen. Und davon einfach weniger. Und ich will mir nicht mehr erzählen lassen, was ich brauche. Vor allem nicht von den Unternehmen, die letztendlich daran Geld verdienen. Aber ich finde auch, dass jeder selber entscheiden muss, in wie weit und in welcher Form man etwas tun möchte. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet und ich maße mir auch nicht an, jemandem zu sagen, was er zu kaufen hat und was er nicht zu kaufen hat.  Vielleicht denkt ihr: wenn ich keine Fast-Fashion Teile mehr kaufe, ändert sich doch eh nichts. Was kann ein Mensch schon verändern? Und naja, es ist doch so: Würde jeder so denken, dann ändert sich nie was.

Da ich dieses Thema super interessant finde, würde ich mich über einen Austausch mit euch freuen. Wollt ihr gerne mehr Posts zu dem Thema? Seid ihr interessiert an Fair-Fashion Hauls? Und an anderen Themen, die damit zu tun haben? Und könnt ihr mir Posts zu diesem Thema empfehlen?

Line

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6 Gedanken zu “Kleider machen Leute

  1. Das traurige ist, wenn das 5,99€ Shirt nun 9,99€ kostet, würde der Manager und nicht die Näherin 4€ mehr. Manchmal denkt man „das teurer also muss es fairer sein“ aber da kann man sich nie sicher sein.

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    • Man kann sich sogar absolut sicher sein, dass „Teuerer = Fairer“ ein großer Trugschluss ist. Wenn man bei namenhaften Marken teure Sachen kauft, sind sie meist trotzdem von den unterbezahlten Näherinnen und Nähern unter den schlimmsten Bedingungen zusammengeschustert worden, mit Chemikalien gefärbt und aus Fasern, die entweder künstlich hergestellt oder absolut nicht nachhaltig angebaut wurden. Deshalb ist es von großer Bedeutung, sich vor allem die Firma anzugucken, von denen man kauft. Sind das nämlich Firmen, die nachhaltig und fair produzieren, dann ist das T-Shirt oft teurer. Liegt aber daran, dass nachhaltige Fasern, schonende Färbung und faire Arbeitsbedingungen nun mal auch ihren Preis fordern. Andersherum funktioniert dieser Trugschluss aber eben nicht. Denn auch wenn man sich ein Shirt für 85 Euro bei einer Fast Fahion Firma kauft, die eben nicht fair und nachhaltig produziert, dann trägt man nicht zu faireren Bedingungen bei. Das sehe ich ganz genauso wie du!

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  2. Liebe Line,
    danke für diesen tollen Artikel. Ich denke dieses Thema beschäftigt sehr viele Menschen. Berührt sie und ich glaube auch, dass viele diese Dinge wissen und trotzdem gerne verdrängen. Ja ich denke da kann ich auch für mich sprechen. Mein Kosum hat sich Gott sei Dank auch schon sehr gewandelt, aber oft ertappe ich mich immer noch dabei, dass ich wieder in gleiche Muster verfalle. Ich glaube es ist ein längerer Prozess, sich hier komplett umzustellen und benötigt auch ein gewisses Hintergrundwissen. Welche Alternativen gibt es? Welche Labels kann man wirklich mit gutem Gewissen kaufen? Was mache ich am besten mit Kleidung,die ich nicht mehr trage? Ich würde es sehr spannend finden bald mehr in diese Richtung von dir zu lesen 🙂
    Vielen Dank, dass du mich mal wieder daran erinnert hast. Alles Liebe Lisa

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    • Liebe Lisa! 🙂
      erst einmal vielen Dank für deinen sehr lieben Kommentar. Ich lese sehr gerne, dass dich mein Artikel etwas bei dir bewirkt hat, genau dann habe ich mein Ziel erreicht! 🙂
      Ich stimme dir zu, sein Konsumverhalten zu verändern und zu überdenken ist definitiv ein Prozess. Niemand steht eines Morgens auf und lebt ein Leben, dass plötzlich zu 100 % nachhaltig und fair ist – von diesem Anspruch muss man sich befreien. Es ist glaube ich viel mehr ein kontinuierlicher Wandel, denn wenn man sen Konsumverhalten in Sachen Mode hinterfragt, dann zieht das auch weitere Kreise in andere Bereiche, das ist zumindest bei mir so gewesen (und wie du schon sagst, ich befinde mich eher noch auf dem Weg, als dass ich schon irgendwo angekommen bin).
      Ich finde es auch sehr interessant und schön zu sehen, dass du dir tatsächlich genau die gleichen Fragen stellst, die auch ich mir stelle. Es ist doch teilweise schon schwer, sich durch die Alternativen und Labels zu graben. Aber Spaß macht es mir zum Glück auch! Es freut mich, dass du Lust hast, weiter etwas über dieses Thema auf unserem Blog zu lesen! Vielen Dank für die liebe Motivation! 🙂
      Liebste Grüße, Line

      P.S. auch ich falle leider immer mal wieder in alte Muster zurück, haha. Da merkt man mal, wie sehr man daran gewöhnt ist oder war!

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  3. Hallo Line,

    ich bin da ganz deiner Meinung und würde gerne mehr zu dem Thema lesen. Vor allem ein Fair Fashion Haul würde mich persönlich sehr interessieren.
    Vor einiger Zeit bin ich über das Thema „Minimalismus“ gestolpert, welches sich ja ebenfalls mit Nachhaltigkeit und eben damit beschäftig, weniger zu konsumieren. (https://4urday.wordpress.com/2017/02/06/minimalismus-im-kleiderschrank/ <- dort habe ich ein sehr schönes Video zu dem Thema gepostet, falls du mal reinschauen möchtest)
    Minimalismus werde ich zwar nie komplett durchziehen können, aber den Ansatz finde ich sehr spannend. Seitdem ich mich damit ein wenig beschäftigt habe, versuche ich beim Einkaufen in der Stadt immer erst einmal darüber nachzudenken, ob ich dieses Teil (was mir super gut gefällt) auch wirklich brauchen kann. Passt es zum Rest meiner Garderobe? Habe ich vllt schon ein ähnliches Teil?
    Mit dieser Denkweiße versuche ich ein bisschen weniger zu konsumieren und im großen und ganzen klappt es recht gut.

    Ich bin gespannt, was du uns noch so berichten wirst.

    Liebe Grüße
    Hannah

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  4. Pingback: It’s a wrap: 10×10 Challenge Review | multiperspektiv

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