Heute vor einem Jahr

Damals war es vielleicht ein kleines bisschen Heimweh, das ich den ein oder anderen Abend irgendwo tief in mir gehört habe. Vielleicht lies es mich nachts mal nicht einschlafen. Leise, zaghaft, fast unmerklich hat es angeklopft. Ich habe die Tür nur einen Spalt auf gemacht, herausgelukt, es aber dann wieder ausgesperrt. Das Heimweh.

Heute ist es Fernweh. Es zieht an meinem Ärmel, ruft immer wieder nach mir, es hält mich wach. Ein lautes Hämmern. Ich kann es nicht ignorieren, muss es hereinlassen. Und dann nistet es sich ein, macht es sich so bequem, dass ich es nicht mehr rausschmeißen kann. Das Fernweh.

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Heute vor einem Jahr bin ich früh aufgestanden, habe mich mit meinen Kommilitoninnen auf den Weg zur Uni gemacht und bei der Freshers‘ Fair Goodies abgestaubt. Ein paar Stunden später: „Stand back. The train is now approaching“. Die Piccadilly Line kommt näher, der Wind weht mir die Haare ins Gesicht. Quatschend springen wir in die U-Bahn und fahren in Richtung Zentrum. Einmal umsteigen, die Rolltreppe herauf und wir haben die Themse vor uns. Ziel: The Globe. Unbedingt wollte ich ein Stück von Shakespeare im Globe sehen und tatsächlich haben wir noch Tickets bekommen, bevor die Winterpause los ging. Julius Caesar. Der erste Akt beginnt und wir tauchen ein in die Welt der Römer und Shakespeares.

Heute sitze ich wieder in meinem Zimmer und tauche immer wieder gerne ein in diese Welt, die von Shakespeare, die von London. Wenn es Herbst wird, denke ich immer öfter an meine Lieblingsstadt und das Klopfen an der Tür wird wieder lauter. Und ich lasse den Gast herein. Mache es mit ihm auf dem Sofa gemütlich und schwelge in Erinnerungen. Wir schwärmen gemeinsam von den königlichen Parks, dem Big Ben, den Sonnenuntergängen an der Themse. Der Zeit in der Ferne. Der Zeit in der Ferne, die gemeinsam mit den Freunden, der Familie, dem Freund verbracht wurde.

Mein Gast, das Fernweh, es ist ein gebetener Gast. Wir verbringen gerne die Abende zusammen, schauen uns Fotos an, lese mein Auslandstagebuch, machen es uns richtig gemütlich. So gemütlich, dass ich es gar nicht mehr gehen lassen will.

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Nadine
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