Appell an die Menschlichkeit

Eigentlich war heute ein anderer Beitrag geplant. Aus gegebenem Anlass, habe ich mich aber umentschieden. Mir brennt nämlich etwas auf der Seele und ich habe festgestellt, dass das Schreiben in solchen Situationen sehr gut tut.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich es gerne allen Recht mache. Und oft wird man dafür kritisiert. Achte nicht darauf, was andere wollen. Hör nur darauf, was du selber willst. Fahr deine Ellbogen aus. Wenn ich das höre, zucke ich innerlich immer ein bisschen zusammen. Ich will nicht aufhören darauf zu achten, was andere wollen. Ich will nicht meine Ellbogen ausfahren.

Seit wann ist es schlimm geworden, Empathie zu zeigen und sich selbst auch mal hinten an zu stellen? In unserer Gesellschaft wird doch immer der große Egoismus kritisiert. Wenn man dann aber mal aufhört, sich und seine Bedürfnisse über die der Anderen zu stellen, scheint das auch nicht richtig zu sein. Du bist schwach, kriegt man dann zu hören. Oder: Du bist zu lieb für diese Welt. Du machst es deinen Mitmenschen so einfach, dich auszunutzen.

Und wieder zucke ich innerlich zusammen. Ich bin nicht schwach. Ich lasse mich nicht einfach ausnutzen. Mir macht es nur eine große Freude, andere Menschen glücklich zu sehen. Und ich bin stolz, dass ich so bin.

Das war nicht immer so. Ich war oft genervt von mir selbst, wenn ich mich bei der abendlichen Filmwahl mal wieder durchgesetzt hatte und mich danach das schlechte Gewissen plagte, weil die anderen jetzt nicht den Film gucken konnten, den sie eigentlich sehen wollten. Das lässt sich übrigens auch auf andere Situationen übertragen: Wenn ich entscheide, wo wir das essen bestellen, oder was wir morgen machen.

Mittlerweile habe ich gelernt damit umzugehen – meistens lache ich über mich selbst. Oder ich genieße einfach, dass der Film geguckt wird, den ich mir ausgesucht habe. Ein bisschen schlechtes Gewissen bleibt dann trotzten, vor allem wenn ich ganz genau weiß, dass meine Mitmenschen lieber etwas anderes geguckt hätten. Und ganz ehrlich – ich bin stolz drauf.

Versteht mich nicht falsch, ich bin gut darin „nein“ zu sagen (sehr gut sogar, haha). Wenn ich etwas wirklich will und etwas wirklich wichtig ist, stelle ich mich und meine Meinung nicht hinten an. Ich kann mich gut durchsetzten, vor allem in Diskussionen.

Aber es gibt Situationen, da ist mir dieser Triumph nicht so wichtig. Wenn ich weiß, dass meine Mutti sich darüber freuen würde, wenn ich den Film heute Abend mit ihr gucke, dann werfe ich eben meine Abendplanung auch mal über den Haufen und tue ihr den Gefallen – auch wenn ich nichts dafür kriege. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Zu sehen wie der Mensch sich dann freut und die Geste wertschätzt, ist dann nämlich Gegenleistung genug. Und es fällt mir nicht schwer zwischen dem Gefühl, jemandem eine Freude gemacht zu haben und dem schlechten Gewissen zu entscheiden.

Deshalb kommt hier mein Appell gegen den Egoismus und an die Menschlichkeit: Auf sich selbst zu hören und das zu verwirklichen, was man will, ist wichtig. Aber dabei nicht aus den Augen zu verlieren, was andere wollen und darauf auch mal etwas Rücksicht zu nehmen (und ja, vielleicht sogar ohne Gegenleistung!), ist fast wichtiger. Denn das beweist Menschlichkeit. Und glaubt mir, so eine Geste findet immer den Weg zurück. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

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In diesem Sinne: #spreadloveeverywhereyougo                                                   Quelle: Pinterest 

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