Türchen 21: Weihnachten mit allen Sinnen

multiperspektiv Weihnachtsheader 2015_21

Die Multiperspektive wird in der Literatur dann eingesetzt, wenn eine Geschichte mehr als einen Erzähler verkraftet. Auf unserem Blog erzählen wir unsere Geschichten – das Leben – deshalb mit zwei Erzählern und aus verschiedenen Sichtweisen. Heute kommt eine weitere (Gast-) Perspektive hinzu und wir beschreiben unseren Weihnachtsmarktbesuch mit allen Sinnen.

Sehen

Weihnachtsmärkte sind vor allem was fürs Auge. Sonst eher trostlose Innenstädte werden am Abend zu wirklich schön beleuchteten Orten und erschaffen so eine besondere Atmosphäre. An den Ständen ist von selbstgemachter Seife über Mützen und handgeschnitzten Krippenfiguren fast alles dabei und einige Kleinigkeiten werden sich Heiligabend auch unter unserem Weihnachtsbaum wiederfinden. Überall sind Familien und Grüppchen von Freunden zu sehen, die sich von der besinnlichen Stimmung anstecken lassen, ein paar Stunden Auszeit vom Alltag nehmen und gemütlich bei einem Glühwein oder Kakao zusammen sind. Nur auf Schnee, der eine noch schönere Atmosphäre schafft, müssen wir dieses Jahr wohl leider verzichten.

Hören

Vor allem höre ich Stimmengewirr. Menschen unterhalten sich, sie lachen, verbringen zusammen eine schöne Zeit. Ab und zu sind auch bissige Kommentare dabei, Eltern, die ihre Kinder ermahnen, Menschen, die sich aufregen. Irgendwo wird Weihnachtsmusik abgespielt. Die Luft trägt die Melodien langsam zu mir herüber. Have a holly jolly Christmas… Im Kopf singe ich mit und freue mich über den neuen Ohrwurm. „Frische Waffeln! Mit Puderzucker oder heißen Kirschen! Es liegt ganz bei Ihnen!“ Wir kommen an einer Bühne vorbei. Eine Band baut gerade die Instrumente ab. Doch an der nächsten Ecke steht ein kleiner Junge mit seiner Trompete. Kräftigt bläst er in das Mundstück und heraus kommt die Melodie von Oh Tannenbaum. Menschen klatschen. Münzen fliegen klirrend in seinen Trompetenkoffer. „Danke!“

Schmecken.jpg

Crêpes, gebrannte Mandeln, schokoummantelte Früchte, Reibeplätzchen, Kakao, Glühwein. So viele verschiedene Geschmäcker und ein Wort, das sie beschreibt: weihnachtlich. Was gibt es besseres, als den Geschmack von Weihnachten? So vielfältig und so unterschiedlich für jeden von uns. Ich kann mich jedes mal aufs Neue überhaupt nicht entscheiden, für welches Essensangebot ich mich entscheiden soll – wer die Wahl hat, hat die Qual, richtig? Heute entscheiden wir uns für etwas neues – Kartoffelspiralen in verschiedensten Variationen. Und was wäre der Weihnachtsmarkt ohne etwas Süßes? Ein Crêpe gewinnt das Rennen. Mit der Mischung aus Zimt und Zucker fühlt es sich wirklich nach Weihnachten an, auch wenn der Schnee dieses Jahr auf sich warten lässt.

Riechen 1_bearbeitet

Der süßliche Duft von gebrannten Mandeln liegt in der Luft. Gleich daneben werden Maronen geröstet. Bratwurst, Pommes, Reibekuchen – Fett spritzt und dampft, der Geruch setzt sich in meiner Nase fest. Line und ich kaufen uns einen Crêpe. Zimt und Zucker für sie, Kinderschokolade für mich. Der Zimt duftet nach Weihnachten. Immer wenn ich die kühle  Luft tief einatme, rieche ich etwas anderes. Gerüche vermischen sich, die Kälte hüllt meine Lunge ein. Glühwein dampft aus unseren Tassen, der Dampf riecht würzig, leicht nach Zimt und bringt mich zum Husten. Wir stehen vor einer Bude mit verschiedenen Seifen und erschnuppern die Sorten. „Die riecht sehr gut! Die schenke ich meiner Mama zu Weihnachten.“

Fühlen.jpg

Die kalte Luft brennt schon fast auf der Haut, die Hände stecken in Handschuhen und sind trotzdem kalt. Das Gesicht verstecke ich hinter meinem großen, weichen Schal. Ich reibe die Hände aneinander, um sie zu wärmen. Wir bleiben an verschiedenen Ständen stehen, schauen uns selbstgemachte Holzschüsseln an, Schals, Taschen, Miniaturstädte. Ich ziehe die Handschuhe aus, um über die Oberfläche der Holzschüssel zu streichen. Sie ist kalt und glatt. Unsere letzte Station ist der Glühweinstand. Die dunkelrote Flüssigkeit in der Tasse dampft. Ich verbrenne mir leicht die Lippen an dem heißen Getränk und puste, um es abzukühlen. Nach den ersten Schlücken breitet sich eine wohlige Wärme in meinem Bauch aus. Es tut gut, die kalten Finger an der Tasse zu wärmen.

Jana, Line & Nadine

P.S.: Danke, Jana!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s